Mössingens Wirtschaftsförderer Oliver Schmid berichtete
dem Gemeinderat am 23. Juni 2003 über seine Arbeit seit
Einrichtung der Stelle für Wirtschaftsförderung bei der
Stadtverwaltung im Mai 2002. Nach einem Jahr als
Wirtschaftsförderer sieht Oliver Schmid viele positive
Erkenntnisse, welche ihn darin bestärken, das
Angefangene fortzuführen und auszubauen. Es werde aber
auch in den kommenden Jahren noch viel zu tun geben, um
dem Ziel einer nachhaltigen Wirtschaftsförderung gerecht
zu werden, betonte er.
Die derzeitige wirtschaftliche Situation erschwert auch
in Mössingen eine aktive Wirtschaftsförderung. Gerade
wegen der schwierigen Phase bemüht sich aber die
Stadtverwaltung, solide Voraussetzungen für ein
wirtschaftlich gutes Umfeld am Wirtschaftsstandort
Mössingen zu schaffen. In den ersten Monaten seiner
Tätigkeit begann Oliver Schmid deshalb damit, die
Grundlagen für eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik zu
schaffen.
Neben der Einarbeitung in den großen Bereich der
Wirtschaftsförderung - knapp 20 Seminare und
Veranstaltungen wurden von Oliver Schmid besucht - baute
er Kontakte zu verschiedenen Stellen auf, welche am
Prozess der Wirtschaftsförderung beteiligt sind. So
entstanden Verbindungen zu Wirtschaftsministerium,
Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer,
Arbeitsamt, Banken und zum Handels- und Gewerbeverein
Mössingen (HGV). Zu über 150 Betrieben nahm Oliver
Schmid Kontakt auf, mit regelmäßigen Betriebsbesuchen
sollen enge Verbindungen zu den Unternehmern geschaffen
werden. Oliver Schmid etablierte sich dabei für die
Unternehmen als zentraler Ansprechpartner der
Stadtverwaltung, welche die Serviceleistungen gerne in
Anspruch nehmen.
Bestandspflege ist Hauptaufgabengebiet
Das Hauptgewicht der Wirtschaftsförderung liegt
momentan in der Bestandspflege. Ziel ist es, den
ortsansässigen Unternehmen zu zeigen, dass sie in
Mössingen gut aufgehoben sind und damit ein positives
Investitionsklima zu schaffen, so dass die Unternehmen
ihre Standorte und Arbeitsplätze in Mössingen erhalten
oder darüber hinaus neue schaffen. Neue Betriebe zu
akquirieren gestaltet sich dagegen schwierig.
Bundesweit ist die Zahl der Firmen-Neugründungen um ein
Vielfaches zurückgegangen. Die örtliche Wirtschaft
bekommt die derzeitige schwierige Lage zwar auch zu
spüren, eine zu pessimistische Grundhaltung lehnen die
meisten Betriebsinhaber aber bislang noch ab. Ein
einschneidender Abbau von Arbeitsplätzen war in den
letzten Monaten bis auf wenige Ausnahmen bei den
aufgesuchten Betrieben auch nicht notwendig, ganze
Betriebsschließungen wurden in der jetzigen Phase
weitestgehend ausgeschlossen. Einige Betriebe
signalisierten sogar, in absehbarer Zeit baulich und
personell am Standort Mössingen zu investieren.
Momentan laufen zu dem Thema Bestandspflege
Vorbereitungen für eine Unternehmensbefragung in
Mössingen.
Auf bisher eher verhaltenes Interesse sind Anfragen zum
Aufbau eines Netzwerks zwischen den Mössinger Firmen
gestoßen, obwohl ein solches Netzwerk zu optimiertem
Austausch von Know-how, gemeinsamen Projekten und sogar
Kooperationen führen kann. In anderen Städten wurden
bereits gute Erfahrungen gemacht. Die Stadtverwaltung
möchte trotzdem versuchen, ein entsprechendes Angebot
zu initiieren. Solche Unternehmensgespräche könnten
nach Oliver Schmid mit betriebsübergreifenden
Informationen und Fachvorträgen zu Themen wie Logistik,
E-Commerce, Online-Dienste und Förderprogramme
verknüpft werden. Die Vorbereitungen für ein "Mössinger
Wirtschaftsforum" laufen bereits, eine
Eröffnungsveranstaltung ist für Anfang September
geplant.
Nur in einzelnen Fällen wurde die Beratung zur
Existenzgründung in Anspruch genommen, bei welcher die
städtische Wirtschaftsförderung als Moderator und
ideeller Unterstützer auftritt. Neben Tipps werden
Verweise zu Ansprechpartnern bei Behörden und
Institutionen gegeben, bei der Standortsuche und der
Vermittlung von Bauplätzen hilft Oliver Schmid und hält
den Kontakt auch nach der Gründung des Unternehmens
aufrecht. Geprüft wird zurzeit, ob und wie sich ein
Gewerbehof-Konzept für junge Betriebe in Mössingen
realisieren lässt. Neben der Beratung von
Existenzgründern richtet die Mössinger
Wirtschaftsförderung ihr Augenmerk aber auch auf das
Thema Unternehmensnachfolge und bietet Informationen zu
entsprechenden Förderprogrammen an.
Rund 220 Betriebe nutzen inzwischen die Möglichkeit,
sich auf dem virtuellen Marktplatz Mössingen
"www.moessingen.com" im Internet zu präsentieren.
Dieser kostenlose Service der Stadt wird nach Auskunft
des Wirtschaftsförderers dieser Tage durch ein weiteres
Angebot ergänzt werden: In der "Ladenbörse" wird die
Stadt Anbieter von leer stehenden Gewerberäumen und
Interessenten zusammenführen, um eine zeitnahe
Wiederbelegung von Ladenlokalen zu erreichen und den
nötigen "Branchen-Mix" im Kaufhaus Mössingen zu
garantieren.
Unterstützung leistete die Stadt Mössingen dieses
Jahres dem HGV bei der Vorbereitung und Planung der
ersten Steinlachmesse im Mai, welche mit über 10.000
Besuchern die bislang größte Messe in Mössingen war.
Sowohl die Besucher als auch die Aussteller waren
gleichermaßen hoch zufrieden. Anfragen bei den
Ausstellern zeigten, dass durchweg alle Teilnehmer ihre
selbst gesteckten Messeziele erreicht haben. Bereits
seit Februar wurden die teilnehmenden Mössinger
Betriebe mit einem Firmenportrait im Amtsblatt
dargestellt, wodurch viele Kunden auf die Betriebe
aufmerksam wurden und diese bei Einkäufen und Aufträgen
berücksichtigten.
Stadtmarketing, um im Wettbewerb mit den umliegenden
Städten bestehen zu können
Um im Wettbewerb mit den umliegenden Städten bestehen
zu können, sind nach Auffassung von Oliver Schmid
Anstrengungen von vielen Seiten erforderlich. Auf der
Grundlage des GMA-Gutachtens und der Lokalen Agenda
2010 seien weitsichtige politische und stadtplanerische
Entscheidungen und die Beteiligung der örtlichen
Gewerbetreibenden notwendig, so Schmid. Längerfristig
wird in vielen Jahren auch ein Umdenken bei den
Gewerbetreibenden notwendig sein: Immer mehr erheben
die Kunden entsprechend des gesellschaftlichen Wandels
die Forderung, dass der Einkauf zu einem Erlebnis
werden muss; die Ware selbst steht nicht mehr an
oberster Stelle. So laden in größeren Städten bereits
Geschäfte die Kunden durch Bistro-Bereiche zum
Verweilen ein und bieten verschiedenste Produkte an,
welche klassischerweise nicht in einem einzigen Laden
angeboten werden. Große Supermärkte oder
Vollsortimenter sind zudem für eine belebte Innenstadt
ein unbedingtes Muss. Für Oliver Schmid ist auch die
Umnutzung und Öffnung des Pausa-Geländes für eine
attraktive Innenstadt sehr wichtig. Die ersten Schritte
auf dem Weg zur Umgestaltung konnten nach ersten
Betriebsbesuchen eingeleitet werden.
Immer wieder zeigt sich aber, so Schmid, dass es mehr
auf nachhaltige stadtplanerische Maßnahmen und
kundenfreundliche Aktionen ankommt als auf das
vielerorts praktizierte "Event-Tam-Tam", um dauerhaft
Kundenfrequenz in die Innenstadt zu bringen. Viele
Städte gehen inzwischen dazu über, die Kaufkraft der
Bevölkerung durch so genannte City-Cards an die
örtlichen Händler zu binden. Der Kunde spart dabei bei
jedem Einkauf Geld in Form von Rabatten, zugleich kann
der Kunde gezielt auf Aktionen des örtlichen Handels
hingewiesen werden. Zur Einführung einer Steinlach-Card
gab es bereits erste Kontakte mit dem örtlichen
Gewerbe, Voraussetzung ist allerdings, dass die Karte
von möglichst vielen Geschäften akzeptiert wird und
diese die laufenden Kosten tragen.
Grundlagen für Wirtschaftsförderung müssen noch
ausgebaut werden
Obwohl Oliver Schmid nach einem Jahr als
Wirtschaftsförderer viele positive Erkenntnisse
ausmachen kann, war seine Arbeit in den ersten Monaten
aufgrund der geringen Grundlagen für eine effiziente
Wirtschaftsförderung geprägt durch Reagieren und
kurzfristiges Handeln. Sowohl er selbst als auch
Bürgermeister Werner Fifka stufen deshalb die Arbeit
des Wirtschaftsförderers noch nicht als befriedigend
ein.
Erschwerend kommt hinzu, dass Oliver Schmid als
Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Mössingen sich
nur zu 80 Prozent der städtischen Wirtschaftsförderung
widmen kann. Zu Zeiten hoher Belastung durch
Feuerwehrarbeit und Verwaltungsaufgaben für die
Feuerwehr konnte dieser Stellenumfang nicht
aufrechterhalten werden, was künftig zum Vorteil einer
effektiveren Wirtschaftsförderung vermieden werden
soll.
Zu bedenken gaben Bürgermeister Werner Fifka und Oliver
Schmid aber auch die finanzielle Ausstattung der
Mössinger Wirtschaftsförderung: Rund 700.000 Euro
stehen kommunalen Wirtschaftsförderungen in Deutschland
durchschnittlich zur Verfügung. In Mössingen ist
dagegen kaum Luft für die Umsetzung innovativer Ideen
wenn man bedenkt, dass allein für die Einführung einer
Steinlach-Card mit einer Anfangsinvestition von 300.000
Euro gerechnet werden müsste.
![[Virtueller Marktplatz Mössingen]](/grafix/mask/title.gif)